Landsknechte

Wimpfen im Dreißigjährigen Krieg


Geranium robertianum
Geranium robertianum

Das mittelalterliche Machtsystem war im Grunde ein Lehnssystem. Macht wurde mit Vorbehalt erteilt, der höchste Machthaber, der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, wurde gewählt. Den Territorialfürsten der Neuzeit war dieses Lebensgefühl fremd, der Absolutismus kündigte sich an. So wurde der Protestantismus, der das Potential zur Revolution in sich trug, zum Machtinstrument in Fürstenhand, nicht anders als die alte katholische Religion. Cuius regio, eius religio - wes der Thron, des die Religion - legte der Augsburger Religionsfrieden von 1555 fest. Die Lage um das Jahr 1600 sah die Bauern in einer aussichtslosen Lage schlechter denn je, das Bürgertum in Deutschland zwar wohlhabend, aber politisch noch völlig ungefestigt, und die religiösen Konfessionen in der Hand der Landesfürsten. Nun stürzte das Ränkespiel der großen europäischen Fürstenhäuser Deutschland ins blutige Verderben, in einen Krieg, der völlig aus dem Ruder lief und sich im nachhinein betrachtet über weite Strecken verselbständigte.

Unter dem Mantel von konfessionellen Bündnissen wurden 1608 und 1609 die protestantische Union und die katholische Liga gegründet. Beiden Bündnissen blieben jedoch wichtige Territorien fern. Mancher protestantische Fürst mochte sich nicht in völligen Gegensatz zu Reich und Kaiser bringen, mancher lutherische Landesherr sah Calvinisten als ein schlimmeres Übel als Katholiken an, mancher katholische sympathisierte mehr mit der Lehre Luthers, als mit dem scharfen Wind der spanischen Gegenreformation in der päpstlichen Kirche. Das einzige deutsche Land, in dem der Protestantismus nie Fuß fassen konnte, war Bayern. Sogar in den kaiserlich-habsburgischen Kernländern wurden den Protestanten viele Rechte eingeräumt. Das habsburgische Böhmen war weitgehend protestantisch, gehörte aber natürlich nicht zur Union. Hier sprang der Funke über.

1618 bis 1623, der Böhmisch-Pfälzische Krieg.

1617 wurde der unter starkem Einfluss seiner spanischen Verwandten stehende Habsburger Ferdinand II. zum Böhmischen König gekrönt. Jetzt überschlugen sich die Ereignisse. 1618 kam es aus eher nichtigem Anlass in Prag zur offenen Rebellion. Das böhmische Ständeheer behauptete sich anschließend erfolgreich gegen die beschränkte österreichisch-habsburgische Militärmacht. 1619 wurde Ferdinand von den Böhmen als König abgesetzt, in Deutschland aber zum Kaiser des schon eher schwachen Heiligen Römischen Reiches gewählt. Zur gleichen Zeit wählten die Böhmen den protestantischen pfälzischen Kurfürsten Friedrich zu ihrem neuen König. Der traf die folgenschwere Entscheidung, die Wahl anzunehmen. Damit war aus dem böhmischen Regionalkonflikt eine Sache des habsburgischen Prestiges auf europäischer Ebene geworden: Der Böhmische König war einer der Kurfürsten, und mit der Wahl Friedrichs gab es nun eine protestantische Mehrheit im Kurfürstenkollegium. Da es Ferdinand mit eigenen Mitteln in keiner Weise gelang, Böhmen zurückzuerobern, suchte er die Unterstützung des mächtigen Maximilian von Bayern, des Führers der katholischen Liga, und versprach ihm im Erfolgsfall die Pfalz und die Kurfürstenwürde. Bei dieser Konstellation nun gab die protestantische Union die böhmische Sache verloren, schloss 1620 ein Neutralitätsabkommen mit der katholischen Liga und löste sich 1621 gar ganz auf. Im November 1620 schlugen die kaiserlichen und bayerischen Heere unter Tilly die Böhmen entscheidend am Weißen Berg bei Prag. Die Rache an Böhmen war fürchterlich. Friedrich von der Pfalz musste Hals über Kopf fliehen; über ihn wurde die Reichsacht verhängt. Die pfälzischen Stammlande und die Kurfürstenwürde fielen an den bayerischen Maximilian.

Längst war die Zeit der Verträge vorbei und die Zeit der Feldherren gekommen. Auf protestantischer Seite verfügte Georg Friedrich von Baden-Durlach seit Beginn des böhmischen Konfliktes schon über ein starkes Heer. Nach dem Fall von Böhmen weigerte er sich, seine Armee zu entlassen, ja er übergab sogar die Markgrafschaft an seinen Sohn, um sich ganz dem Krieg für die protestantische Sache zu widmen. Auf habsburgischer Seite wüteten in der Pfalz die spanischen Generale Spinola und später Cordoba und eroberten eine Stadt nach der anderen mit dem Ziel, einen Korridor von der italienischen Mittelmeerküste zu den spanischen Niederlanden freizuhalten. In Böhmen schlug Tilly die letzten protestantischen Söldnertruppen unter Mansfeld, der sich daraufhin über die Oberpfalz nach Baden absetzte und unterwegs neue Truppen rekrutierte. Auch Tilly setzte sich in Richtung Kurpfalz in Bewegung.

Ornament

Die Kurpfalz war damals reformiert (calvinistisch), Baden-Durlach wie Württemberg lutherisch, ebenso die meisten Reichsstädte, unter ihnen Heilbronn und Wimpfen. Schon 1619 und 1620 kam es in Wimpfen häufig zu Einquartierungen von Truppen der protestantischen Seite. Damals wie später hatte die Stadt die Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Soldaten und ihrer Pferde zu tragen. Von Anfang an kam es auch zu Beschlagnahmungen und Plünderungen. Die Soldateska nahm sich was sie brauchte, einfach mit Gewalt. So erpresste im Oktober 1621 Mansfeld (protetantisch) mindestens 7000 Gulden von Wimpfen, einen Monat später schloss de la Quedra (katholisch) die Stadt ein und erbeutete eine große Menge an Munition. Ende Dezember stationierte Tilly 80 Reiter als "Schutztruppe" in Wimpfen, die die ganze Gegend durch ihre Beutezüge unsicher machten. Ab Mitte April 1622 hauste Tillys ganze Armee in der Wimpfener Gegend, verbrauchte alles, was an Lebensmitteln zu finden war, und richtete für ihre Feuer einen Kahlschlag unter den Obstbäumen und Weinstöcken an. Auch direkt in der Stadt wurden 300 Soldaten untergebracht, alle städtischen Waffen sowie die Schlüssel der Stadttore und aller Befestigungen wurden beschlagnahmt. Am 27. April kam es dann zur Schlacht bei Wiesloch. Tilly wurde von den vereinigten badischen und mansfeldschen Truppen in die Flucht geschlagen, zog sich wieder nach Wimpfen zurück und begann dort unverzüglich mit dem Bau von Schanzen. Mansfeld wandte sich anderen Kriegszielen zu, Georg-Friedrich von Baden-Durlach nahm die Verfolgung Tillys auf.

6. Mai 1622, der Tag der Schlacht bei Wimpfen.

Schon in den Tagen vorher hatten die kaiserlich-bayrischen Truppen durch Plündern und Morden Angst und Schrecken in der Bevölkerung der umliegenden Dörfer verbreitet. Viele Dorfbewohner waren geflohen, z.B. in die Löwensteiner Berge. Nun standen sich die kaiserlichen und die badischen Truppen im Gebiet zwischen Heilbronn und Wimpfen gegenüber. Tilly hatte strategisch günstig die Höhen südöstlich von Wimpfen zwischen Neckar und Dornet-Wald besetzt. Die Truppen des Markgrafen von Baden waren zwischen Obereisesheim und Biberach nördlich des Böllinger Baches positioniert. Beide Seiten waren etwa 20000 Mann stark. Schon am frühen Morgen begannen heftige Gefechte; sie liefen zunächst nicht schlecht für die badische Seite. Um die Mittagszeit vereinbarte man eine Feuerpause, die Tilly dazu nutzte, seine durcheinander geratenen Truppen zu konsolidieren. Der Markgraf von Baden baute seine Stellungen um und verschob seine Truppen insgesamt in Richtung Obereiseheim. Gegen ein Uhr näherten sich unerwartet neue Truppenverbände. Im badischen Lager hoffte man auf Mansfeld, doch es war Cordoba, der mit seinen spanischen Truppen unverzüglich auf Tillys Seite in die wieder aufgenommenen Kampfhandlungen eingriff. Die Kämpfe gingen mit wechselndem Kriegsglück weiter, bis den Kaiserlichen ein Glückstreffer gelang: Ein im Materiallager hinter den badischen Linien stehender Pulverwagen flog in die Luft, andere folgten. Die Explosion sorgte für völlige Verwirrung in den badischen Reihen. Der Sieg war Tilly jetzt nicht mehr zu nehmen. Die badischen Truppen flohen Richtung Heilbronn; die Kaiserlichen hatten jedoch nicht mehr die Kraft, sie zu verfolgen. Auf den Feldern blieben tausende von Leichen zurück. Die Rolle Badens als Kriegspartei und Georg-Friedrichs als Feldherr war zu Ende.

Aufgrund der vielen schlecht versorgten Verletzten kam es in Wimpfen zum Ausbruch von Krankheiten, die auch unter der Zivilbevölkerung viele Opfer forderten. Tilly zog bald ab, nicht ohne seiner Armee fast 1000 gefangene badische Söldner einverleibt zu haben, wie es damal gang und gäbe war. In Wimpfen blieben noch jahrelang kaiserliche Besatzungstruppen. Endlos sind die im Wimpfener Stadtarchiv erhaltenen Klagen über das völlig gesetzlose Verhalten dieser Söldner. An ein normales Leben war nicht zu denken, Ackerbau und Wirtschaft brachen zusammen. Armut, Hungersnot und Tod waren die Folgen. Vor der Schlacht kosteten in Wimpfen fünf Pfund Brot dreieinhalb Kreuzer, ein Jahr später mehr als das zehnfache!

Nach dem Fall der Kurpfalz verlagerte sich der Krieg weiter nach Norden. Widerstand gegen Tilly gab es nur noch von dem Heer von Mansfeld und von dem fürstlichen Abenteurer Christian von Halberstadt, die den Kampf quasi auf eigene Kappe noch ein Jahr fortsetzten. Tilly blieb jedoch in mehreren Schlachten siegreich.

1623 bis 1629, der Dänisch-Niedersächsische Krieg.

Die reichen, protestantischen Niederlande befanden sich seit über 50 Jahren im Freiheitskampf gegen ihren spanischen Herren. In diese Richtung hatte sich Mansfeld mit den Resten seiner Truppen zurückgezogen und dort auch kräftige finanzielle Unterstützung erhalten. Nun griff das protestantische Dänemark in den Krieg ein. Sein König Christian war gleichzeitig als Graf von Holstein deutscher Reichsfürst. Doch die Einzelheiten führen hier zu weit.

Eines ist jedoch noch wichtig: Auf kaiserlicher Seite kam Wallenstein ins Spiel, ein kleiner Adliger, der sich im Böhmischen Krieg enorm bereichert hatte. Sein grenzenloser Geltungsdrang ließ ihn später nicht davor zurückschrecken, den Kaiser regelrecht zu erpressen. Hatte Tilly sich beim Wimpfener Rat noch mehrfach für die Übergriffe seiner Truppen entschuldigt, so führte Wallenstein jetzt Plünderung als Normalfall ein. Seine Heere waren ausdrücklich beauftragt, sich aus dem Land mit Gewalt selbst zu versorgen. Schon die Ankündigung ihrer Annäherung sorgte für panische Angst in der Bevölkerung. Im Sommer 1625 näherten sich wallensteinsche Truppen dem Heilbronner Raum, und die Landbevölkerung floh in Massen in die befestigte Stadt Wimpfen. So hausten die Landsknechtshaufen einmal mehr in dem geschundenen Dorf Biberach. Insgesamt hatte Wimpfen 1627 und 1628 ständig unter den Überfällen durchziehender spanischer und wallensteinscher Truppenverbände zu leiden. Deren Kommandanten antworteten auf die Bitten Wimpfens um Schonung nur noch mit Hohn und Spott.

Chelidonium majus
Chelidonium majus

Wallenstein schlug 1626 Mansfeld und Tilly im gleichen Jahr Christian von Dänemark. Kleinere Gefechte und größere Plünderungen zogen sich noch hin, doch 1629 schien der Krieg mit dem Sieg der kaiserlichen Seite beendet zu sein. Die protestantischen Fürsten hatten ihre an sich starke Position auf Grund mangelnder Solidarität nicht nutzen können. Hätte Kaiser Ferdinand II. jetzt eine einigermaßen akzeptabele Einigung angeboten, dann wären dem Land womöglich 20 weitere Kriegsjahre erspart geblieben. Doch er wollte mit dem Restitutionsedikt die Uhr um 80 Jahre zurück drehen, und so kamen die Schweden ins Land.

1630 bis 1635, der Schwedische Krieg.

Die großen Spieler im Hintergrund waren weiterhin das habsburgische Spanien und Frankreich, das den Schwedenkönig Gustav Adolf finanziell unterstützte. Der charismatische König glaubte fest an seine Sendung. Er wollte die protestanische Sache in Deutschland retten und seinem Land die Vorherrschaft über den Ostseeraum sichern. Und er stand selbst an der Spitzte seines disziplinierten Heeres! Nichts und niemand hielt ihn auf. Tilly wurde geschlagen und zog sich eine Wunde mit tötlichen Folgen zu. Bis nach München drangen die Schweden vor. Gustav Adolf war de facto der Herr Deutschlands. Die Herzen der protestantischen Bevölkerung und die Bündnisangebote der protestantischen Fürsten flogen ihm zu. Der Kaiser hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen. In geradezu entwürdigender Weise musste er sich erniedrigen, um den 1630 auf der Höhe des Erfolges entlassenen Wallenstein dazu zu bewegen, erneut ein Heer aufzustellen. Dem gelang es zwar 1632 in der Schlacht bei Lützen nicht, die Schweden zu schlagen, aber Gustav Adolf, die Zentralfigur des protestantischen Lagers, verlor sein Leben. Auch der skrupellose Wallenstein selbst hatte nicht mehr lange zu leben. 1634 wurde er von Beauftragten seines Dienstherren, des Kaisers, ermordet. Im gleichen Jahr erlitten die Schweden und ihre deutschen Verbündeten bei Nördlingen eine sehr schwere Niederlage und zogen sich nach Norddeutschland zurück. 1635 schlossen die meisten protestantischen Fürsten und Städte, die sich erst 1633 unter schwedischer Führung zum Heilbronner Bund zusammengefunden hatten (Wimpfen war dabei), nun den Prager Frieden mit dem Kaiser. Doch der Krieg war damit nicht zu Ende. In Südwestdeutschland herrschte das Chaos.

Schon 1631 machte sich in Wimpfen die durch die schwedischen Anfangserfolge geänderte Lage bemerkbar. Zunächst rückten protestantisch-württembergische Truppen in die Stadt. Die bayerische Besatzung zog ohne Umstände ab. Zwei Monate später das umgekehrte Schauspiel: Die Württemberger mussten gehen, die Bayern kamen wieder. Wimpfen stand übrigens in diesen Jahren mehr oder weniger unter der Verwaltung des in Heidelberg residierenden bayerischen Statthalters Metternich, der auch gleichzeitig Dekan des Stifts in Wimpfen im Tal war. Doch das hatte jetzt ein Ende. An Weihnachten 1631 standen mit den Schweden verbündete Truppen vor den Toren, die Bayern mussten wieder abziehen. Gustav Adolf verschenkte großzügig, was ihm nicht gehörte: Das Petersstift im Tal, das Dominikanerkloster, das Heiliggeist-Spital und der Wormser Hof gingen auf seinen Befehl mit allem drum und dran in den Besitz der Stadt Wimpfen über. Doch die Freude darüber währte nicht allzu lange: Nach der Schlacht bei Nördlingen im Herbst 1634 übernahmen die Kaiserlichen erneut die Stadt und stellten für die geistlichen Besitztümer den alten Stand wieder her. Doch egal ob schwedisch oder kaiserlich, von den Truppen gab es regelmäßig gewalttätige Übergriffe in der Bevölkerung. Was blieb ihnen auch anders übrig? In den Heeren forderten oft genug Hunger und Pest mehr Opfer, als die eigentlichen Kämpfe. Es kam vor, dass große Armeen in einen gefährlichen Notstand gerieten, weil sie sich durch Gegenden zurückziehen mussten, die sie vorher selbst verwüstet hatten. Jeder Winter stellte die Truppen vor ernste Versorgungsprobleme; der Krieg ruhte in diese Jahreszeit praktisch immer. Über Wimpfen kann man sagen, dass es bis zu diesem Zeitpunkt nicht schlimmer gelitten hatte, als andere Städte. Es ist auch erstaunlich, wie viele Tausend Taler immer wieder aufgetrieben werden konnten, trotz vorheriger Versicherungen des Magistrats, es sei nichts mehr zu holen.

1635 bis 1648, der Schwedisch-Französische Krieg.

Gustav Adolf war tot, sein Kanzler Oxenstierna setzte den Krieg auf schwedischer Seite fort. Aus Deutschland kam nur noch Unterstützung von Hessen-Kassel und Württemberg. Das katholische Frankreich, dessen Kardinal Richelieu bisher nur hinter den Kulissen die Fäden gezogen hatte, trat jetzt offen auf schwedischer Seite in den Krieg ein. Keine Rede mehr von Konfessionen! Schweden konnte sich aus innenpolitischen Gründen nicht aus dem Krieg zurückziehen, Frankreich kämpfte gegen die spanischen und österreichischen Habsburger um die Vormacht in Europa. Und so zogen die in ihrer Zusammensetzung kaum voneinander zu unterscheidenden Söldnerheere Jahr um Jahr in einer Choreographie des Schreckens durch die ausgebluteten deutschen Länder. Diese lange Phase des Krieges forderte alles in allem die meisten Opfer; das Grauen war zum Alltag geworden. Beginnend mit dem Reichstag von Regensburg 1640/41 bemühten sich die kriegsmüden Parteien, endgültige Friedensverhandlungen einzuleiten. Doch erst 1648 gelang der Westfälische Frieden. Der Krieg hatte viele seiner Protagonisten überlebt, z.B. Kaiser Ferdinand II. und den französischen Kardinal Richelieu. Zurück blieb ein völlig verarmtes, in kleine Fürstentümer zerstückeltes und politisch bedeutungsloses deutsches Land. Frankreich war zum führenden europäischen Staat aufgestiegen. Wer etwas auf sich hielt, sprach französisch.

In den ersten Jahren dieser Kriegsphase gingen die Leiden der Stadt Wimpfen in der schon gewohnten Weise weiter: Immer wieder erschien kaiserliches Kriegsvolk und verlangte unter Androhung oder offener Anwendung von Gewalt die Herausgabe von Geld, Vieh, Lebensmitteln, Waffen usw. Eine Besatzung geringer Stärke war praktisch die ganze Zeit zu versorgen. Der Magistrat der Stadt bemühte sich um kaiserliche Schutzbriefe, die aber nur wenig halfen oder gar den Zorn der Feldherren provozierten. Die Bedrohungen wurden so ernst, dass man 1637 alle Fensteröffnungen in den Mauern zumauern ließ.

Kanonenkugel

Nach einigen für damalige Verhältnisse ruhigen Jahren brandeten 1645 die Wogen des Krieges wieder gegen unsere Stadt. In Münster wurde bereits über den Frieden verhandelt, doch alle Parteien suchten weiterhin, ihre Verhandlungsposition durch kriegerische Erfolge zu verbessern. Anfang Juli erschien eine französiche Armee unter Turenne vor Wimpfen. Dort waren zu diesem Zeitpunkt etwa 80 kaiserlische Soldaten stationiert. Da diese sich nicht sofort ergaben, begannen die Franzosen ohne viel Federlesens die Stadt zu beschießen. In der Vorstadt entstand großer Schaden und auch die Mauern von Wimpfen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Man ergab sich, und Wimpfen geriet unter französische Besatzung. Die Kamfhandlungen verlagerten sich jetzt zunächst in Fränkische, doch im September waren die Franzosen wieder in unserer Gegend und belagerten die Reichsstadt Heilbronn, die noch von den Kaiserlichen gehalten wurde. Im Oktober 1645 näherten sich dann bayerische Truppen unter General Gleen und Jan von Werth, um Heilbronn zu entsetzen. Die Franzosen zogen sich nach Philippsburg zurück, ließen aber eine starke Besatzung in Wimpfen zurück. Da diese sich den kaiserlischen Truppen nicht ergeben wollte, wurde die Stadt unter Beschuss genommen. 10 Geschütze feuerten in sechs Tage 2560 Kanonenkugeln in die Stadt, bis die Franzosen kapitulierten. Was zurück blieb war ein jämmerlicher Trümmerhaufen. Ende Oktober erging der Befehl, die restlichen Befestigungen zu schleifen. Die Mauern von Wimpfen waren gefallen.

Das Ende des Krieges war nahe, aber die Wut des Krieges ließ noch nicht nach. 1646 setzen sich die Franzosen erfolgreich gegen Bayern durch; zwischen beiden wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Heilbronn und Wimpfen kamen wieder in französische Hand. Wimpfen stelle nun keine eigene Größe mehr dar; es wurde nur als Teil der Heilbronner Peripherie behandelt und hatte weiterhin schwer aufzubringende finanzielle Kriegslasten zu tragen. Das ging auch nach Abschluss des Friedensvertrages 1648 noch weiter. Bis zum Jahr 1650 lagen immer wieder Truppenteile in den Resten der Stadt und verlangten Versorgung. Die letzten waren Schweden.

234 680 Taler haben die braven Ratsschreiber von Wimpfen als Summe der Kriegslasten aufaddiert, die von 1620 bis 1653 zu tragen waren, "eine für jene Zeit ungeheuere Summe". Über Einkünfte wird nicht berichtet. Historiker nehmen aber an, dass sich in den Jahrzehnten des Krieges besondere Wirtschaftsformen herausgebildet haben. Die Feldherren erpressten Geld von der Bevölkerung, um damit Waffen, Munition, Pferde, Futter usw. zu kaufen und den Sold ihrer Söldner zu bezahlen. So floss das Geld umverteilt wieder in die Wirtschaft zurück. Kein Wunder, dass der Magistrat von Wimpfen manchmal mit Gewalt Steuern in der Bevölkerung eintrieb.

Der Westfälische Frieden sprach den Schweden Kriegsentschädigungen in Höhe von 5 Millionen Talern zu. Wimpfen als freie Reichsstadt hatte davon 10 680 Taler aufzubringen. Da keine Mittel mehr vorhanden waren, mussten das Dorf Biberach und der Wimpfener Anteil an Rappenau verkauft werden. Wer konnte sich damals einen solchen Kauf leisten? Wie ich vermute nur Kriegsgewinnler, die reichlich Beute in ihren Privatbesitz gebracht hatten.

Die ehemals blühende Stadt Wimpfen der staufischen Kaiser lag jetzt in Ruinen. Von früher 600 Bürgerfamilien waren weniger als ein Zehntel übrig geblieben. Viele Männer werden während des Krieges ihr Glück auf der "anderen Seite" gesucht haben und Soldaten geworden sein. Manche werden sich vor den Schrecken des Krieges in abgelegenere ländliche Gegenden zurückgezogen haben. Sehr viele Opfer forderten auch die auf Grund der allgemeinen Hungersnot und Auszehrung immer wieder grassierenden Seuchen.

Wimpfen hatte alle Reste seiner ehemaligen Bedeutung verloren und versank in der Rolle einer ärmlichen, ländlichen Kleinstadt. "Säuerlich und kümmerlich ernährten sich die Leutchen dieser armen, mit Disteln und Dornen in allen Gassen verwachsenen und nicht mehr erkennbaren Stadt." (Frohnhäuser) 1659 heulten die Wölfe in Scharen vor den Mauern von Wimpfen.

[ Details zum Kriegsverlauf ]