Auf der Hohen Straße unterwegs


Hohe Straße bei Herbolzheim

Die Hohe Straße bei Herbolzheim

Bekanntschaft mit der Hohen Straße machte ich nicht in der Natur, sondern in der Stube. Bei meiner Beschäftigung mit der Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Wimpfen las ich, dass Wimpfen an einer alten Völkerstraße liegt, einer Ost-West-Verbindung von Frankreich her über Speyer nach Nürnberg und weiter nach Böhmen, die hier den Neckar querte. Schon die Römer bauten in Wimpfen im Tal im 1. Jahrhundert eine Brücke über den Neckar, die bis ca. 1300 bestand. Man vermutet, dass dieser wichtige und alte Heer- und Handelsweg ausschlaggeben dafür war, dass die Staufer Wimpfen um 1200 als Kaiserpfalz ausbauten. Meine Neugier war geweckt.

Etwas Kartenstudium zeigte dann schnell, dass die Bezeichnung "Hohe Straße" in dem betreffenden Gebiet zwischen Kocher und Jagst nicht einmal selten zu finden ist. Der ganz grobe Verlauf der ehemaligen Straße war schnell klar.

Der nächste logische Schritt war die Befragung des allwissenden Internets. Doch das Ergebnis war enttäuschend. Mehr als Nebenbemerkungen in Halbsätzen waren zum Stichwort "Hohe Straße Kocher Jagst" nicht zu finden. Doch eine heiße Spur gab es: Ein Literaturhinweis auf einen Artikel von Emil Kost aus dem Jahr 1948. Es stellte sich heraus, dass das ein seltenes Stück Literatur ist, und erst nach Monaten konnte ich es über ein Internet-Antiquariat erwerben. Der Artikel ist heute hier unter "1948" zu lesen.

Doch leider konnte Kosts Aufsatz nicht alle meine Fragen beantworten. Ihm ging es hauptsächlich darum, anhand vielfältiger Indizien seine Vermutung zu begründen, die Hohe Straße stamme aus vorgeschichtlicher Zeit. Zum genauen Verlauf der Straße und zum Straßenzustand 1948 im Detail gibt er nur wenig Auskunft. Der Entschluss war schnell gefasst, zu erkunden, wie es an der ehemaligen Fernverbindung heute aussieht. Und zwar mit meinem Lieblingsfahrzeug, nämlich meinen zwei Füßen. Von Jagstfeld am Neckar bis Heimhausen, wo die Straße die Jagst überquert und unser Gebiet verlässt, sind es etwa 52 km. Dazu brauchte ich 11 Etappen. Sportlichen Ehrgeiz habe ich halt nicht.