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Demerath
Platt
Wörterbuch

Aussprache


Wie Demerather Platt gesprochen wird - oder wurde


In früheren Zeiten lebten die Leute recht isoliert in ihren kleine Dörfern. Kontakte zu Nachbardörfern gab es nur zu besonderen Anlässen. So entwickelte jedes Dorf seine eigene Platt-Variante.

Unterschiede gab es besonders bei den Vokalen. Mancher Eifeler kennt wohl noch den Satz: "Ihr Kinder, kommt herein, es wird Winter." Auf Platt ausgesprochen verriet der Klang der Vokale sofort, aus welchem der Dörfer der Sprecher stammte.

Die Demerather hatten aber eine Vokalkombination, die sonst weit und breit nicht zu finden war: den Doppellaut äa (hier èa geschrieben). Die Silbe "-ech" wurde in manchen Fällen zungenbrecherisch mit Doppelvokal und Rachenlaut "-èach" gesprochen. "Blech" hieß also "Blèach", das ch wohlgemerkt wie in "Rachen" ausgesprochen. In Steineberg oder Ellscheid wurde unterstellt: "De Déémada jien mòt de Rèache Frèache fänke" (Die Demerather gehen mit den Rechen Frösche fangen). Das "Rèache" muß ich zugeben, aber Frösche hießen in meiner Jugend schon "Frèèsche". Na ja, aber das Adjektiv "frech" sprachen einige Unentwegte damals noch "frèach" aus. Das hat man bei dem Spruch bestimmt verwechselt.

Seltener und deshalb auffallender sind Unterschiede bei Konsonanten. Hier glänzte das Demerather Platt durch das gänzliche Fehlen des Buchstaben "g". Wie im Rheinland häufig, stand stattdessen meistens "je". Glas wurde also "Jelaaß" ausgesprochen. Das wäre jetzt niemandem besonders aufgefallen, aber die Demerather bestanden darauf, aus der Kombination "gr" ein "schr" zu machen. Zum Totlachen, meinten die aus Winkel oder Steiningen und riefen hinter uns her: "De Schrumpere sèin noch schraaße-schréén, de Schruußmótta kann se noch nét schròwwe" (Die Kartoffeln sind noch gras-grün, die Großmutter kann sie noch nicht ausgraben).

Es klingt schon an: man machte sich lustig darüber. Und so sind "èa" und "schr" - denke ich - komplett aus dem Gebrauch verschwunden. Da heute schon dreijährige Kinder in dorfübergreifenden Kindergärten zusammengebracht werden, haben solche Besonderheiten noch weniger Chancen, zu überdauern, als ein glattgebügelter Einheitsdialekt.

Ich habe die alten Formen noch gelernt und gesprochen (und tue es bei Gelegenheit heute noch). Und so schreibe ich sie hier auch auf.


Schriftsprache = Lautschrift

Den ursprüngliche Plan, wie in einem richtigen Wörterbuch geschriebenes Wort, Lautschrift und "Übersetzung" ins hochdeutsche nebeneinanderzustellen, habe ich wegen Umständlichkeit und schlechter Realisierbarkeit aufgegeben; es gibt halt keine standardisierte Schreibweise für Platt.

Deshalb werden die Wörter möglichst so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden. Das geht natürlich auch nicht ganz reibungslos und ohne Erläuterungen, da Texte lesbar bleiben sollen und nur der ASCII / ANSI / HTML - Zeichensatz zum Einsatz kommt.

Vokale


äsehr hell und offen, wie im englischen "bad"
eunbetontes e wie in "Stufe"
énormales geschlossenes e wie in "Weg"
èoffenes e oder ä, wie in "Fett"
ógeschlossenes o, wie in "Boden"
òsehr offenes o, wie im englischen "Hobby"
èaDoppellaut, sehr charakteristisch für das Demerather Platt
èiDoppellaut, wie engl. "lay", zu unterscheiden von ei (ai)
òuDoppellaut, wie engl. "flow"

Alle anderen Vokale werden wie im Hochdeutschen gesprochen.

Einzel stehende Vokale werden grundsätzlich kurz gesprochen. Für eine lange Aussprache schreibe ich Doppelvokale (aa, ee, oo, uu). Bei i wird aus Gründen der Lesbarkeit stattdessen ie geschrieben. h wird zum Verlängern von Vokalen nicht benutzt.

Die Unterscheidung zwischen offenem ò und geschlossenem ó ist für die Bedeutung wichtig, weshalb o immer mit einem Akzent geschrieben wird. Bóa ist z.B. ein Brunnen (Born), während Bòa ein großer, aufgeschichteter Haufen aus Heu oder Stroh ist.

Konsonanten


g gab es ursprünglich nicht;
vor Vokalen: j (ganz -> janz)
vor l: je (Glas -> Jelaas)
vor r: sch (graben -> schròwwe)

ch Ein ch wie in "ich" kriegt ein Eifeler kaum hin; den Laut gibt es nicht;
es wird immer ein sch verwendet, dessen tatsächliche Aussprache irgendwo zwischen ch und sch liegt.

ch

In meiner Schreibweis verwende ich ch immer da, wo der Rachenlaut wie in "Bach" gemeint ist.

pfgibt's nicht, stattdessen immer nur p

rwird hinter Vokalen deutlich als a gesprochen und auch so geschrieben

Allgemein werden Konsonanten eher weich ausgesprochen. t und p tendieren stark zu d und b. Man weiß manchmal nicht, ob man ein Wort jetzt mit t oder d (bzw. p oder b) schreiben soll.


Anmerkungen


Der schr-Laut ist aus dem aktuellen Gebrauch fast verschwunden, weil er eine allzu auffällige und oft verspottete Demerather Eigenheit war:

altneu
schrééngrééngrün
schruußgruußgroß
SchraaßGraasGras
SchrundGrundGrund
Schrumpere   Grumpere   Kartoffeln
schròwwegròwwegraben

Ebenso ergeht es in einigen Fällen dem èa-Doppellaut:

BlèachBlèèschBlech
frèachfrèschfrech
RèacheRääscheRechen
rèachnerääschnerechnen


Feinheiten: spitz die Ohren, opjepasst!


fréschfrisch
frèschfrech
FrèèschFrosch
en sèèter sagt
en sääter säät
JóldGold
JòldGeld
FóóßFuß
FòòßKnorpel
BiaBirne
BieaEber
BééaBier
BäätBett
bèèt!bete!
béét!biete!
KéaKurve
KèaKern
KóaKorn
KòaKarre
KóchePfannkuchen
KóócheKuchen
kòòchekochen
kórreprobieren, wie es schmeckt
ÓóchAuge
óchauch
hèihier
HeiHeu
HònnHahn
HóónHuhn
hòònhaben
hòutheute
HòuutHaut
mòtmit
MòdMade
MòòdMagd
MòòtMotte
MóótMut
MótSchlamm
NóssNuss
NòòßNase, ò klingt ab
nòòßnachts, ò lang gehalten
jedélléschgeduldig, 2. e betont
jèddeléschordentlich, 1. e betont